GOLDBICHL 2012 - Sondierungsbericht

 

1. Sondierung auf der Hügelkuppe


An der höchsten Stelle des Goldbichls, unmittelbar neben dem Brandopferplatz, gelangt der Besucher an ein ebenes Plätzchen, von dem er eine großartige Aussicht bis weit in das Stubaital hinein genießen kann. So idyllisch diese Stelle auch ist, ist sie auch nicht ganz ungefährlich, da sie in südlicher Richtung direkt an einer nahezu senkrechten Felswand, die mittlerweile von Sportkletterern als Kletterwand genutzt wird, endet.
An dieser Felswand untersuchte Dieter Manhartsberger vom Juli 2010 über mehrere Monate hinweg eine Felsnische, die sich vor allem aufgrund ihrer auffallend regelmäßigen Gestalt dafür anbot.
Diese Nische befindet sich exakt links neben der anhand der Eisenhaken deutlich erkennbaren Wand des Klettergartens an der Kante zu dem oben beschriebenen Plätzchen.


Abb. 2 Das ebene Plateau am höchsten natürlichen Punkt des Goldbichls.
rote Linie - Abbruchkante bei der Felswand nach Süden
grüne Fläche - nischenartige Einkerbung der Felswand

Manhartsbergers Ziel war, zu klären, ob sich in dem in diesem Geländeeinschnitt abgelagerten Sediment Artefakte befinden, und weiters, ob diese Felsnische künstlich, also von Menschenhand geformt wurde.
Aufgrund der unmittelbaren Nähe der Opferstelle bestand auch durchaus Grund zur Annahme, dass das eine oder andere Artefakt von dort auf den Boden der Nische heruntergefallen sein könnte.
Dies konnte der Ausgräber schon bald anhand einer Anzahl von Kleindunden, die er bei dieser Untersuchung bergen konnte, bestätigen.
Die ausgesetzte und und für den Ausgräber äußerst beengte Lage auf dem schmalen und leicht abschüssigen Boden der untersuchten Fläche, gestaltete die Untersuchung sehr schwierig und war alles andere als ungefährlich, ging es doch neben dem schmalen Podest ca. 10 m senkrecht in die Tiefe.
Ursprünglich wollte der Ausgräber die Untersuchung bis zu der in der Felsnische stehenden Föhre durchführen, konnte jedoch schließlich die Grabungsfläche etwas erweitern, als der Baum Opfer eines Föhnsturms wurde und umfiel.
Das auf dem Podest liegende Sediment bestand aus einem relativ homogenem humosen Material, mit sandigen Einschlüssen. Durchsetzt war es mit Steinen unterschiedlicher Größe. Erschwerend wirkte sich beim Abtragen des Sediments aus, dass dieses stark mit Wurzeln durchsetzt war, und deshalb nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit für eine exakte Schichtbeobachtung bestand. Dennoch kann gesagt werden, dass das Sediment durchwegs homogen auftrat und trotz genauester Beobachtungen keine Schichtverläufe erkennen ließ.

Abb. 3  Die Felsnische bei Sondierungsbeginn - Blick nach Süden

Abb. 4 Planskizze - Felsnische am Steilabfall neben dem Opferplatzbereich vom Goldbichl

Der Felsboden liegt bei der NW-Wand ca. 1,6 m unterhalb der Abbruchkante und kann als rechtwinkliges Dreieck in der Fläche beschrieben werden, das eine maximale Tiefe von 2 m erricht, sich nach W allerdings stark verjüngt und abfällt. Die Fläche ist zudem in Platten zergliedert, die sich relativ leicht abheben lassen.
Zwischen der O-Wand und der Stelle, an der die Föhre stand ist der Wand ein schmaler Sockel vorgelagert.
Das etwa ockerfarbene Sediment erreicht an der NW-Wand eine Stärke von bis zu 1 m, dünn allerdings zur äußeren Kante hin stark fallend aus.

   

Abb. 5 und 6  Die Felsnische mit stehender und durch Windwurf umgestürzter Föhre - in Richtung W fotografiert.

Abb. 7  In der Felsnische nach oben fotografiert - Das Sedimentpaket in seiner mächtigsten Ausprägung

Abb. 8 Rechts die NW-Wand - sie ist sehr glatt in jenem Bereich der unter dem Sedimentpaket lag

Abb. 9  Das Steinpodest - Steinplatten am Boden, Sedimentbeobachtung und der "geglättete" Wandbereiche ganz rechts.

Neben den hauptsächlich geborgenen Tonfragmenten konnten zwei Astragale und einige größere und kleinere verkohlte Holzstücke geborgen werden.
Die Tonfragmente spiegeln sehr gut die Ergebnisse, die während den zwischen 1995 und 2003 durchgeführten Ausgrabungen erzielt worden sind. Denn auch die von dieser Untersuchung stammenden Tonscherben können durchwegs in die frühe Bronze- und späte Eisenzeit datiert werden, sofern sie datierbar sind. Zu den schönsten Stücken zählen ein Grifflappen eines grobtonigen bronzezeitlichen Kochgefäßes, sowie späteisenzeitliche Feinkeramik mit Kammstrichdekor und Kreisaugenverzierung.
Ein markantes hellbraun-orange farbiges Tonfragment, ein nach außen gelegter rundlicher Mundsaum weist Brandspuren in Form einer rissigen Aufschwellung auf und muss einer starken Hitze ausgesetzt gewesen sein. Ebenso zeigt sich eine durch Feuereinwirkung rissige und hitzegebleichte Oberfläche an den beiden Astragali, besonders intensiv bei dem kleineren der beiden. Beide haben zudem tiefe, parallele Schnittspuren, die vermutlich von der Fleischzerlegung herrühren. Es ist durchaus denkbar, dass diese Fundobjekte vom Altarbereich der Brandopferstätte stammen und über die Geländekante auf das Podest herunterrollten.



Dieter Manhartsberger