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K R E U Z 
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Der Weg:
Meine Beteiligung an der Ausstellung: „CRUX – das Symbol des Kreuzes“ im Diözesan-
museum Brixen im Sommer 2013 hat meine Aufmerksamkeit auf das Thema des Kreuzwegs gerichtet. In dieser Ausstellung wurden zeitgenössische Arbeiten zum Thema „Kreuz“, Werken aus der Vergangenheit gegenübergestellt. Dabei konnte ich die Beobachtung machen, dass fast alle modernen Exponate auf die explizite Darstellung des Leidens Christi verzichtet haben. Sie konzentrierten sich eher auf die bildliche Ausdruckskraft des Kreuzes oder verwendeten Materialien, die diese noch verstärkten und in Gegenwartsbezug brachten. Die Darstellungen aus früheren Zeiten, besonders bei Kreuzwegen in Kirchen auf Kalvarienbergen sind in dieser Hinsicht sehr realistisch, sollten sie doch im Beschauer das Empfinden erwecken, an diesem Leiden mitschuldig zu sein. 
Im Spannungsfeld dieser gegensätzlichen Vorstellungen entwickelte sich in mir die Idee,
einen Kreuzweg zu gestalten, der sich auf eine eher behutsame Weise diesem Thema nähern soll. 

Die Ausführung:
In meinem Konzept halte ich mich an die traditionelle Anzahl von 14 Stationen, erweitere sie aber durch ein Eingangs- und ein Ausgangsbild. In jedes der 14 Bilder ist ein Objekt in Kreuzform integriert, das ich in natürlichen oder technischen Gegenständen gefunden habe.
Grundmaterial für alle Exponate sind Leiterplatten (Motherboards) aus Computern, deren Bestückung ich entfernt habe und die ich sodann geschliffen und poliert habe. Dadurch werden die verborgenen Strukturen auf diesen Platten sichtbar und lassen die Energien und Informationen erahnen, die einmal durch diese filigranen Leitungen geflossen sind. Die kupferfarbige metallische Oberfläche erinnert an die Bronzetafeln an alten Kirchentüren oder goldgefasste Ikonen der Ostkirche. Als Erinnerung an die einst hochtechnische Funktion dieser Platten sind in alle Bilder elektronische Schaltungen eingebaut, die auf die Annäherung eines Besuchers reagieren und Licht- oder Bewegungsfunktionen auslösen. Nach einigen Minuten schalten sie sich wieder aus bis sie von jemandem aktiviert werden.
Meine Vorstellung ist, dass die Tafeln in einem Ambiente mit gedämpften Licht, etwa einem Kreuzgang, mit ausreichendem Abstand montiert werden. So erweckt der Besucher auf seinem Weg jeweils die Station zum Leben, vor der er oder sie steht und kann dort seinen Assoziationen freien Lauf lassen. Die Reihenfolge der Bilder ist nicht festgelegt und kann der Situation entsprechend gewählt werden. Die Eingangs- und die Schlusstafel sind wesentlich größer und in ihrer Oberfläche anders strukturiert. Beide enthalten eine plastische Darstellung des Erlösers. Hierfür habe ich eine kitschige Plastikstatue, die mir einmal geschenkt wurde in zwei Hälften geschnitten und in die Tafeln montiert. 
Der Weg beginnt mit der triumphalen Erscheinung des Erlösers in digitalen Ambiente unserer Zeit. Nach den 14 Stationen verabschiedet er sich in resignativer Stille.
Technische Daten: 
Anfangs- und Schlussbild: 50 x 55 cm. Leiterplatten bearbeitet auf Holzgrund. Licht und Toneffekte. 
Tafeln: 24 x 24 cm. Leiterplatten, geschliffen und poliert auf Holzunterlage. Interaktive elektronische Schaltungen. 2013 - 2014
Bild aus Ausstellung Brixen: Kreuzreliquie 22x22. Verschiedene Materialien, elektronische Effekte. 2003

 

 

 

  

 

 

 

  

  

  

  


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